Unterwegs mit der Security

Er stand an der Mauer und betete. „Es war vor dem Wiederaufstieg in die erste Liga, als ich meinen Rundgang um das Stadion machte. Es war dunkel, und an der Westkurve sah ich eine Gestalt an der Mauer stehen. Durch meinen Zuruf wurde sie auf mich aufmerksam und versuchte, über den Zaun zu entkommen, was ihr aber nicht gelang. Es war ein Fan, der Stadionverbot hatte und der in dieser Nacht für seinen FCK beten wollte“, erinnert sich Stefan Cremer an eine denkwürdige Begebenheit vor ein paar Jahren. Der 44-ährige ist gelernte Werkschutzfachkraft und seit fünf Jahren Revier- und Interventionsfahrer bei der WR Security. Nachts ist er unter anderem für die Sicherheit des Fritz-Walter-Stadions verantwortlich. Er fährt meist die Nachtschicht, von 18.00 Uhr abends bis um vier Uhr des nächsten Morgens. Cremer fährt gerne Auto und mag seine Arbeit, da sie seinem Naturell entspricht. Der Mann vom Sicherheitsdienst mag auch nicht so viele Menschen um sich, oder wie er es beschreibt: „Tagsüber ist alles stressiger, aber in der Nacht ist nicht so viel Verkehr, alles ist ruhiger. Außerdem ist man sein eigener Chef, wenn man auf seiner Tour ist. Man muss seine eigenen Entscheidungen treffen.“ Zu seiner Tour gehören Firmen, eine private Villa, Schulen und das „Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz“ (DFKI) in der Trippstadter Straße.

Jede Nacht beginnt seine Schicht mit einer Fahrt zum PRE Park, wo mehrere Firmen auf der Kundenliste von WR – Security stehen. Er überprüft, ob alle Türen und Fenster geschlossen sind und ob der Alarm scharf geschaltet ist. Bei einigen Firmen ist es seine Aufgabe, die Alarmanlage selbst in Betrieb zu setzen. Bei einem Call Center funktioniert das heute Abend nicht, und er muss nochmals in das Gebäude, um die Ursache festzustellen. Mit geübtem Blick sieht er in einer langen Fensterfront, dass ein Fenster nicht richtig eingerastet ist. Sobald er es geschlossen hat, lässt sich auch der Alarm einschalten. Er kann nun über das Gewerbegebiet zum Einsiedlerhof fahren, wo er an den Objekten, die auf seinem Plan stehen, die gleichen Tätigkeiten ausführt. Mit einem elektronischen Kontakt loggt er sich an so genannten Stechpunkten ein, um die Uhrzeit seines Kontrollgangs zu dokumentieren. Um diese Zeit liegen die Firmengelände verlassen da, keine Spur von der Betriebsamkeit, die am Tag herrscht. Vom Einsiedlerhof geht es zurück zur Fachhochschule in der Innenstadt. Während der Fahrt fällt ihm eine Begebenheit ein, die sich bei einem Autohändler ereignet hat. Als er auf das Betriebsgelände fuhr, sah er, wie eine Person über den Zaun flüchtete. An einem der Fahrzeuge fehlten die Reifen, wie er kurz darauf feststellte. Die herbeigerufene Polizei sicherte die Spuren, fand aber die Reifen nicht. Cremer ließ das keine Ruhe, und er fuhr später nochmals zu dem Autohaus. Nach längerem Suchen fand er sie im Gebüsch auf einem Gelände neben dem Autohaus und konnte sie ihrem Besitzer zurückgeben.

Stefan Cremer ist dabei, die Fachhochschule zu kontrollieren, als ihn ein Anruf vom Parkplatz des Möbelhauses Martin erreicht. Zwei junge Frauen haben nicht beachtet, dass eine halbe Stunde nach Geschäftsschluss die Schranke geschlossen wird, und nun kommen sie nicht mehr heraus. Die Parkplatz- und Aufzugsbefreiung ist ebenfalls Teil seiner Aufgaben, und er macht sich auf den Weg zurück in den PRE Park. Dort trifft er auf die beiden Frauen, die aus Lüneburg kommen und erleichtert sind, als er die Schranke öffnet. Endlich können sie mit ihrem VW Golf den Parkplatz verlassen. Auf dem Stiftsplatz läuft mittlerweile das EM – Auftaktspiel der deutschen Mannschaft, und Cremer fährt ruhig und besonnen seine Tour weiter. In der Eisenbahnstraße springen ihm zwei Fans genau vor seinen Wagen. Er muss zwar scharf abbremsen, aber Cremer ist ein Mann ohne Nervosität und behält auch in dieser heiklen Situation die Übersicht. Er macht sich auf den Weg zum Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) auf dem Uni Gelände. Hier hat er auch kurz Zeit, um auf der Dachterrasse des Instituts einen Kaffee zu trinken. Nachdem er alle Stockwerke überprüft und sich in das Wachbuch eingetragen hat, führt ihn sein Weg weiter zum Fritz-Walter-Stadion. Dort sagen sich um diese Zeit „Fuchs und Hase Gute Nacht,“ und tatsächlich kreuzen drei junge Füchse die Fahrbahn. Das Stadion liegt in fast völliger Dunkelheit, und man merkt dem Sicherheitsmann an, dass er hoch konzentriert ist. Die Kontrolle dauert dort fast eine Stunde, vorausgesetzt, er trifft nicht wieder auf einen betenden Fan.

Es ist bereits Mitternacht, und er beginnt seine Tour von neuem. Die weitere Nacht bleibt ruhig. Als er wieder zum Stadion kommt, setzt bereits die Morgendämmerung ein. In dieser Nacht ist Stefan Cremer 130 Kilometer gefahren. Wie viele Kilometer er durch endlose Korridore, treppauf, treppab, gelaufen ist, weiß er nicht. (pbü)