24 Stunden Fitness

 

Es ist kurz nach 22 Uhr, als ein Taxi auf den Parkplatz des McFit Fitnessstudios fährt. Aus dem 200er Diesel steigt Mohammad Bashabsheh, geht zum Kofferraum und nimmt seine Sporttasche heraus. Als er die 20 Stufen zum Studio hoch geht, ist er bereits seit zwei Stunden auf den Straßen Kaiserslauterns unterwegs, um Fahrgäste zu befördern. Auf dem Weg zur Umkleidekabine begrüßt er Marko Dengel, der sich mit seiner Nachtwache, Klaus Lewandowsky, über die Ereignisse des Tages unterhält. Dengel ist seit Mai 2011 Studioleiter und trägt die Verantwortung für den reibungslosen Ablauf des Betriebes. Der 45-Jährige hat eine Trainer B-Lizenz im Fitnessbereich und schon einige Studios gesehen. An seinem Job mag er die Selbständigkeit. Er ist jemand, der gerne Entscheidungen trifft. Sicher, er muss sich an die Vorgaben des Unternehmens halten, aber in der Ausgestaltung hat er völlig freie Hand. Er vergleicht das gerne mit einer Autobahn: „Auch dort muss man sich an Regeln halten. Aber wie schnell man fährt, wann man überholt oder eine Pause einlegt, ist die eigene Entscheidung.“ 24 Stunden Öffnungszeit an 365 Tagen im Jahr sind auch für den erfahrenen Studioleiter eine große Herausforderungen. Marko kann sich nicht daran erinnern, dass einmal niemand im Studio war. „Selbst an Weihnachten oder Silvester sind rund um die Uhr Kunden hier.“ Um 22 Uhr werden jetzt die Türen geschlossen. Das Studio kann nur noch mit einer Mitgliedskarte betreten werden. „Dies dient der Sicherheit der Kunden“, so Marko Dengel. Dabei wird registriert, wer im Studio ist. Fremde haben keinen Zugang mehr, es sei denn, die Nachtwache öffnet die Tür. Zur gleichen Zeit wird die Musikuntermalung zurückgefahren, da jetzt auch nicht mehr so viele Leute trainieren. Von nun an hat Klaus Lewandowsky die Verantwortung. Der 49-Jährige ist bereits seit zwei Stunden hier, da er vor Schichtbeginn selbst noch trainiert. Danach ist er fit für die Nacht, die für ihn von 22 Uhr bis 6 Uhr am nächsten Morgen geht. Mittlerweile hat Mohammad die Umkleidekabine verlassen und beginnt sich an den Geräten aufzuwärmen. „Ich habe vor vier Jahren damit begonnen, regelmäßig zu trainieren. Damals wog ich 67 Kilo. Heute sind es 90 Kilo und kein Gramm Fett“, erzählt er und setzt das Training auf der Hantelbank fort. Lewandowsky beginnt mit seinem ersten Rundgang durch das Studio. „Ich bin ein Morgenmuffel“, begründet er seine Entscheidung, als Nachtwache zu arbeiten. Deshalb sei diese Arbeitszeit für ihn ideal. Als er damit anfing, musste er sich erst an die Zeit gewöhnen. „So gegen zwei Uhr bekam ich meinen toten Punkt, deshalb hatte ich mir für diese Zeit besonders viel Arbeit zurechtgelegt.“ Heute ist er daran gewöhnt, in der Nacht zu arbeiten. Er habe sein Programm, das ihn in dieser Zeit beschäftigt. Auch die Gespräche mit den Kunden sind für ihn sehr interessant, und hin und wieder gibt er auch Hilfestellung beim Training. Manchmal ist er auch der Retter in der Not wie bei dem Schichtarbeiter, der vor der Arbeit noch eine Trainingseinheit absolvierte. Als er um halb fünf seinen Spind öffnen wollte, um sich für die Arbeit fertig zu machen, ging das nicht mehr. Die Mitgliedskarte war beim Trainieren zerbrochen. In dem Spind waren neben seiner Arbeitskleidung auch sein Autoschlüssel und sein Werksausweis. Lewandowsky konnte helfen. Mit einem Passwort und der Mitgliedsnummer des Kunden loggte er sich in den Computer ein und konnte so die Spindtür öffnen. Es dauerte allerdings zwei Minuten, die aus Sicherheitsgründen vorgesehen sind, bis der Computer die Spindtür freigab. Zwei Minuten, die jemandem, der pünktlich zur Arbeit muss, wie Stunden vorgekommen sind. Bei Opel ist mittlerweile die Spätschicht zu Ende. Das Studio füllt sich wieder etwas mehr. „Es gibt viele, die nach ihrer Schicht noch zu uns kommen, um zu trainieren“, erzählt Marko Dengel. Einer davon ist Benjamin Müller. Er arbeitet bei Opel und trainiert regelmäßig vier bis fünf mal pro Woche. Wenn er Spätschicht hat, schließt er seinen Tag im Studio ab. „Ich kann hier perfekt von der Arbeit abschalten, bevor ich nach Hause gehe. Außerdem mag ich, dass um diese Zeit nicht mehr so viel Betrieb ist.“ Klaus Lewandowsky hat bereits damit begonnen, seinen Arbeitsplan für die Nacht abzuarbeiten. Kurz vor Mitternacht reinigt er die Damenduschen. Eine Stunde später sind die Herrenduschen an der Reihe. Dies gehört ebenso zu seinem nächtlichen Programm wie die stündlichen Rundgänge durch das Studio. „Es kommt immer mal wieder vor, dass ein Kunde nach dem Training vergisst, die Hanteln an ihren Platz zurückzulegen. „Das ist dann mein Job, denn ich lege Wert auf einen aufgeräumten Trainingsbereich“, sagt er. Auch die Trainingsgeräte müssen von Zeit zu Zeit abgewischt werden. Kurz vor dem Ende seiner Nachtschicht staubt Klaus Lewandowsky die Laufbänder im Kardiobereich ab und klappt sie hoch, damit der Boden einfacher zu reinigen ist.
Mohammad Bashabsheh ist gegen Mitternacht mit seinem Trainingsprogramm fertig. Er duscht sich und steigt wieder in sein Taxi, um seine Schicht bis 6 Uhr früh weiter zu fahren. Wenn er am Morgen seinen Wagen abstellt, ist im McFit seit einer Stunde das dreiköpfige Reinigungsteam dabei, das Studio für den kommenden Tag herzurichten, und Klaus Lewandowsky macht sich auf den Weg nach Hause. (pbü)