Auf Streife mit der Bundespolizei

Von der Wache bis zur Bahnhofshalle sind es gerade mal zwei Minuten, wenn man gemütlich geht. Ist Not am Mann, geht es auch schneller. Heute Abend benötigen Polizeikommissar Leible und sein Partner, Polizeimeister Limmig, zwei Minuten. Es ist viertel nach zehn und Zeit, sich wieder im Bahnhof sehen zu lassen. Seit ihre Nachtschicht begonnen hat, ist dies der sechste Streifengang. In dieser Nacht werden die beiden noch häufiger über das Bahnhofsgelände gehen. Sie werden auch das Bild einer alten Dame bei sich haben, die an diesem Tag von einem Seniorenheim als vermisst gemeldet wurde. Beim Betreten der Halle schauen sie sich mit geschultem Blick um. Die Geschäfte haben bereits seit zwei Stunden geschlossen, und es halten sich nicht mehr viele Personen in der Bahnhofshalle auf. Am Aufgang zum Gleis eins steht ein junges Pärchen, das sich voneinander verabschiedet und die Welt um sich vergessen hat. Vereinzelt stehen Reisende vor den Abfahrtsplänen und prüfen nochmals die genaue Abfahrtszeit ihres Zuges. Der Blick der beiden Beamten fällt auf zwei Obdachlose, die auf einer Bank sitzen und ihr Bier trinken. „Guten Abend, mein Name ist Polizeimeister Limmig, Personenkontrolle, Ihren Ausweis bitte.“ Polizeimeister Limmig spricht die Männer ruhig, aber bestimmt an. Einer der beiden hat keinen Ausweis dabei. Es kann schon vorkommen, dass sich jemand nicht ausweisen kann, weshalb Limmig die Angaben des Mannes über Funk auf der Wache überprüfen lässt. Nach seiner Ausbildung wurde der 21-Jährige nach Kaiserslautern versetzt. An dem Polizeiberuf mag er die Vielseitigkeit. Es ist das Verhältnis zwischen Büroarbeit und Außendienst, das ihm liegt. „Ich mag die Abwechslung in diesem Beruf“, so Limmig, „man weiß vorher nie, was in der Schicht geschieht.“ Zu Hause ist er in Schleswig-Holstein. Ihm gefällt es in der Pfalz, in der er seit eineinhalb Jahren ist. Anfangs habe er noch Schwierigkeiten mit dem Pfälzer Dialekt gehabt, aber das ginge einem Pfälzer in Schleswig-Holstein wohl ähnlich. Nachdem er von seinem Kollegen mitgeteilt bekommen hat, dass gegen den Zecher nichts vorliegt, weist der Polizeimeister die beiden auf die Hausordnung hin und setzt seine Streife fort, die ihn und seinen Kollegen zu den Bahnsteigen führt. „Es kommt immer wieder vor, dass Reisende trotz der aufgemalten Sicherheitsstreifen zu nah an den Gleisen stehen. Darauf müssen wir ein Auge haben, denn die Sogwirkung eines durchfahrenden Zuges ist beträchtlich und wird von manchem unterschätzt“, so Polizeikommissar Leible. Der 26-Jährige arbeitet seit drei Jahren auf der Dienststelle in Kaiserslautern. Auch er hat diesen Beruf gewählt, weil er gerne mit Menschen zu tun hat, was manchmal auch recht skurril sein kann. So erinnert er sich an einen älteren Mann, der ihm seinen Ausweis entgegenhielt, als er gegen Mitternacht zu einem Einsatz im Bahnhofsgelände gerufen wurde. Der Mann wollte unbedingt kontrolliert werden, aber Leible hatte dafür keine Zeit, da bei einem Notruf Eile geboten ist. Als der Einsatz beendet war, stand der Mann immer noch mit seinem Ausweis in der Hand da und pochte darauf, jetzt kontrolliert zu werden. Leible tat ihm den Gefallen. Es stellte sich heraus, dass es sich um den Patienten aus einer Psychiatrie im Donnersbergkreis handelte, der als abgängig gemeldet war. „Der Mann hatte die Orientierung verloren und wusste nicht mehr, wie er wieder zurückkommen sollte. Wir haben ihn dann wieder in seine Einrichtung gefahren“, erzählt Leible, während er sich mit Polizeimeister Limmig auf den Weg zu den abgestellten Zügen im hinteren Teil des Bahngeländes begibt. In der Nacht sind nicht so viele Züge im Einsatz. Diese werden im Bahnhof geparkt. Dabei werden sie gereinigt, und kleinere Reparaturen können ausgeführt werden. Die beiden Beamten kennen das Bahnpersonal. Man grüßt sich. „Jemand, der hier nichts zu suchen hat, würde auffallen“, erzählt Leible. „Die Bahnarbeiter würden uns auch verständigen, wenn hier etwas ungewöhnlich wäre. Schließlich geht es auch um die Sicherheit der Reisenden, die die Züge am kommenden Tag benutzen“, so der Polizeikommissar weiter. In diesem Bereich achten die Beamten auch auf Graffiti-Sprayer. „Die Leute richten nicht nur einen erheblichen Schaden an den Waggons der Bahn an, sondern gefährden auch sich selbst“, so Polizeimeister Limmig. „Gerade in dieser Jahreszeit, in der es nebelig ist, kann es vorkommen, dass ein durchfahrender Güterzug auf dem Nachbargleis nicht bemerkt wird. Dies gilt auch im Winter, da Schnee die Geräusche dämpft und deshalb ein Zug erst zu spät wahrgenommen würde.“ Nach fast einer Stunde sind die beiden Beamten wieder in der Bahnhofshalle, wo ihnen zwei junge Männer entgegenkommen. Ob der Zug nach Waldfischbach auch in Kaiserslautern hält, werden sie gefragt. Zusammen mit den Jugendlichen gehen sie zum Fahrkartenautomaten. Der Zug legt im Hauptbahnhof einen Stop ein, und die Jugendlichen ziehen ihr Zugticket. Ein letzter Blick durch die Bahnhofshalle. Die vermisste Dame ist ihnen nicht begegnet, und die beiden Obdachlosen sitzen immer noch auf der Bank und unterhalten sich angeregt miteinander. Kein Grund für Leible und Limmig einzuschreiten. (pbü)